Leise trällerten die Vögel ihr heiteres Lied in die kühle Morgenluft, während die Sonne gähnend hinter dem Horizont hervorkam. Müde streckte das Himmelsgestirn seine Strahlen aus, vorbei an hohen Tannen und schroffen Klippen der Nordender Landschaft. Vorbei an glucksenden Bächen und kunstvoll gebauten Häusern. Hindurch durch dickes Glas und vorbei an alten Holzbalken. Bis hin auf Eiks Nase, um ihn kitzelnd zu wecken...
Knapp zog er die Nase hoch und drückte die Augen kurz feste zu, aber das Licht der Sonne war stärker und er munter. Ein herzhaftes Gähnen entwich seinem Mund und er streckte räckelnd seine Arme und Beine. Nur um zu bemerken das neben ihm noch jemand schlief den er so früh noch nicht wecken wollte. Sofort hielt er still und öffnete mit leichtem lächeln die Augen, um sich langsam unter der Decke hervor und aus dem Bett hinaus zu schieben. Seine Zehen berührten schließlich den kühlen Holzboden des Gasthauses und er stellte sich leise hin. Ein kurzer Seitenblick aus den Augenwinkeln verriet ihm das Reia noch schlief, also schnappte er sich hastig sein Hemd um es sich überzustreifen. Angelte nach seinem Dolch und dem restlichen Hab & Gut welches er an seinem provisorischen Gürtel trug. Dann schlich er auf Zehenspitzen hinaus ins Freie.
Er wollte noch einmal seine Heimat bewundern, ehe es heute auch schon wieder zurückging. Eigentlich wäre er gerne länger geblieben aber... Er sah es optimistisch und nahm es sich fest vor erneut hierher zu kommen. Zumal es ja ganz schön einfach schien, einfacher als er es jemals gedacht hatte. Dann würde er hier länger mit Reia bleiben, er würde er die Hügellige Landschaft zeigen in der einst sein Dorf stand. Still wanderte er durch das taufrische Gras, welches ihn leicht an den Fußsohlen kitzelte, hinüber zu der Klippe. Gestern war er hier auch noch nach dem Auftritt mit Reia gestanden, ein leichter Rotschimmer untermalte sein schmunzelndes Grinsen. Nun wollte er nurnoch erneut ein erneutes Male den Wind genießen welcher die Klippe hinaufeilte und den würzigen Geruch des Meeres, welches schmaumig tosend an den Klippen leckte. Ja, er war zufrieden, sehr zufrieden. Es tat ihm nicht wirklich weh wieder von hier zu gehen, denn er hatte ja Reia und wo Reia war, fühlte er sich seltsamerweise stehts wohl. Er würde ihr wohl vielleicht auch in die Hauptstadt der Elfen folgen... Obwohl er die Spitzohren nicht wirklich leiden mochte. Zwerge mochten Spitzohren anscheinend auch nicht, weswegen ihm die Zwerge wiederrum sympathischer waren. Er schmunzelte erneut und lachte plötzlich fröhlich, laut. Ein Lachen welches über die gesamte Klippe hallte. Derart fröhlich hatte er sich noch nie Gefühlt, das Leben pulsierte wie ein reißender Strom in seinen Adern. Am liebsten würde er tausend Dinge auf einmal tun. Kurz zog er die Nase hoch und sah nach unten. Sein Blick fiel auf eine Blume mit weissen Blüten und gelben Kolben, welche knapp am Klippenrand wuchs. Schmunzelnd ging er in die Hocke und zupfte sie aus. "Die bring' ich Reia mit" Murmelte er leise und machte sich wieder auf den Rückweg. Bald würde der ganze Wagen wieder mit ihm zurück nach Sturmwind wandern.. er freute sich.
Wie verzerrte Schatten huschte der dunkelblaue Nebel über den kalten Pflasterstein, wie tausend stechende Augen von üblend Dämonen umringte er ihn. Sein Atem ging rasend, stoßweise... er war dort draußen... er würde kommen.... dann gäbe es kein zurück mehr. Lang führt die Straße vor und hinter ihm in die rabenschwarze Nacht hinein. Alle Türen verriegelt und die Fenster der Häuser starrten wie tote Augen. Leer und ohne Hoffnung. Kalt kroch die Angst durch seine Gliede, lähmte seine Muskeln betäubte seine Sinne. Er wusste nicht wohin er fliehen, rennen sollte. Kam nicht einmal von der Stelle, zu träge waren seine Beine. So träge wie noch nie. Konnte er hier bleiben? Nein, er musste weg! Weg mit ihr... ehe er kam! Aber da war es zu später... Schweres Rasseln wie von rostigen Ketten kroch durch die Windlose Luft, ein Atmen... Dann ein Schritt. Plump, donnernd... endgültig. Zitternd wanden sich seine Finger um den Griff seines Dolches, als ER sich aus dem Schatten, dem Nebel schälte welcher ihn so spielend umgarnte. Schwarz, drohend... der kalte Tod. Er konnte nicht fliehen, nicht kämpfen. Seine Beine waren kalt und taub, die Angst so stark wie noch nie zuvor. Augen so blau wie das Eis des Nordens stierten ihn an, drangen ins seine Seele hervor, er wollte schreien, winseln, rufen! Aber sein Mund war zu, wie durch Zauberhand. Verschwunden! Nichtmehr da! Nur eine zierende Narbe unter der Nase. Sie saugten ihn auf, diese Augen. Zwangen ihn seinen Körper zu verlassen, diese Augen! Dann... ruhe...stille... schwärze...tod? Ein leises Rasseln... erneut... dann... diese Augen! diese Stimmen... er sah sich selbst, blau! Aus den Augen des Monsters! Des Getiers! Des Schlächters! Beschützen wollte er sie, wie jämmerlich! Lachte er über sein eigenes Ich... Langsam hob sich die Klinge... blanker Stahl... schwarz geschmiedet, beißend geschliffen. Er senkte sich nieder... drang durch schützende Haut, pulsierende Gefäße, warmes Fleisch...
"Wuuuaaah!" mit einem stummen Schrei fuhr Eik aus seinem Traum hoch und setzte sich schlagartig auf. Sein Atem ging keuchend und er hatte seine Finger in die graue Wolldecke gekrallt, während er geschockt nach vorne Blickte. Seine Kleider und auch er selbst waren nass vor Schweiß. Er musste kurz schlucken, so trocken war seine Kehle. Dann blickte er neben sich, zu Reia. Erleichtert stellte er fest das sie nicht ebenfalls wach geworden war. Was für ein Bild hätte das gegeben? Er, welcher sich fest vorgenommen hatte sie zu beschützen, sitzt vor Angst keuchend aufrecht auf seinem Schlaflager nur weil er einen Albtraum hatte... Einen Albtraum, welchen er zurzeit beachtlich oft Träumte. Alles hatte mit dem Blauauge angefangen, welchem er zusammen mit Tellin begegnet war. Eik würde es selbst niemals zugeben, aber seitdem hatte er leichte Angst. Nicht um sich, eher um Tellin... und um Reia. Gerade um Reia... Er hatte Angst das Blauauge würde sich an ihm Rächen, dafür das Eik ihm einen Stein an den Kopf geworfen hatte. Seitdem lebte er stehts in der Sorge das Blauauge könnte auftauchen und Reia etwas antun und er müsse machtlos dabei zu sehen. Seufzend wischte er sich den Schweiß von der Stirn, das improvisierte Schlaflager aus Decken und Kissen befand sich im Hauptraum des Armenhauses. genau vor der Eingangstüre. Eiks Blick fiel auf seinen Lederbeutel, welcher bei seinem Hemd neben dem Schlafplatz lag. Dort hatte er heute den Schlüßel zu einem der Zimmer von Tellin bekommen. Lang hatte er suchen müssen bis er seinen Freund gefunden hatte. Sehr lange... Aber nun... vielleicht würde alles besser werden, wenn er in einem sicheren Zimmer zusammen mit Reia schlief. Und nicht mitten im Hauptraum... wie auf dem Präsentierteller. Heute hatte er noch nicht ins Zimmer gekonnt, Reia hatte schon geschlafen als er gekommen war. Den ganzen Tag über war er so beschäftigt gewesen, dass er keine einzelne Sekunde mit ihr hatte verbringen können. Hätte er sie blos nie in den Vorfall mit dem Blauauge eingeweiht. Seufzend rieb er sich die Augen und legte sich wieder hin. Vorsichtig drehte er sich auf die Seite und legte einen Arm um Reia, um sich leicht an sie zu kuscheln. Schlafen würde er heute Nacht nichtmehr, das nahm er sich feste vor. Er würde wach bleiben und auf Reia aufpassen...
...kurze Zeit später siegte jedoch erneut der Schlaf
Mit einem zufriedenen Grinsen sah sich Eik in seinem Zimmer um. Nein, in seinem und Reias Zimmer. Es war ein gemütlicher Raum, mit einem Fenster welches gerade genug Licht herein lies. Dazu ein kleiner Schrank und ein runder Holztisch in der Mitte des Raumes. Um den Tisch standen zwei Holzhocker, an der Wand befand sich ein schmales Bett. Eines, aber das würde reichen. Zufrieden zog er die Nase hoch, er fühlte sich wirklich müde und das obwohl es erst Nachmittag war. Reia hatte er heute noch nicht gesehen, also musste er wohl warten bis er ihr das Zimmer endlich zeigen konnte. Gähnend und erschöpft ging er zu dem Bett hinüber. Er machte sich nicht einmal mehr die Mühe seine Sachen abzulegen, sondern lies sich einfach so darauf fallen.
"puuuh" schnaufte er erschöpft und gähnte danach Müde während er sich auf dem Bett liegend streckte. Er hatte einige Sachen zusammengefunden, Äpfel, Wasserschläuche, Decken und dergleichen. Und hatte sie hier hoch geschafft, nachdem er die Möbel ein wenig umgerückt hatte. Er mochte verschlossene Räume immernoch nicht, aber immerhin stand nun das Bett nichtmehr genau neben der Tür. Sondern unter dem Fenster. Kurz zog Eik die Nase hoch, heute hatte er Zary gehört wie sie sagte das er erwachsener wirkte. Und irgendwie stimme das, er fühlte sich reifer... nachdenklicher. Vor allem... nachdenklicher. Er war glücklich, sehr sogar. Vor allem weil er Reia hatte, aber die ganzen Probleme welche seine Freunde zurzeit plagten trübte diese Stimmung. Da war Tellin, welcher von diesem Todesritter bedroht wurde. Dann Zary, welche sich um Tellin sorgen machte. Und Rotho, da hatte er das Gefühl das ebenfalls etwas nicht stimme. Und Sybille, sie zählte er inzwischen zu den wirklich besten Freunden, ging es auch nicht gut. Lange hatte er sich vor kurzem mit ihr unterhalten, man hatte sie aus dem Armenhaus geworfen und nun hauste sie in einem von Eiks Verstecken. Sie war wie er, hatte er gemerkt. Sie wartete bis jemand auf sie zuging, nur war sie dabei nicht so ruhig wie er. Sondern eher Frech und unfreundlich. Er mochte sie wirklich. Nicht so wie er Reia mochte, Reia liebte er über alles, er bekam schon ein warmes Bauchgefühl wenn er nur an sie dachte. Aber dennoch, er konnte Sybille sehr gut leiden, wie einen Seelenverwandten. Schmunzelt schloss er die Augen, um sich ein wenig auszuruhen. Es war schwer wenn man den Entschluss gefasst hatte für seine Freunde da zu sein, ihnen zu helfen. Man machte sich Sorgen. Große Sorgen...
'fump' gab der Strohsack von sich, ein gedämpftes Geräusch, mehr nicht. 'fump' Erneut traf Eiks Faust das weiche Ziel. 'fump' Er schnaufte inzwischen leicht, es konnte einem ganz schön warm werden dabei. 'fump' diesesmal verpasste er dem Sack mit der linken Faust eine Delle.
Schon seit einer guten Stunde war er dabei zu Trainieren. Die Übungen welche ihm Rotho in der einzigen bisherigen Stunde gezeigt hatte. Einen alten Leinensack hatte er sich dazu aus einer Bäckerrei ausgeliehen und ihn mit Stroh vom Greifenverschlag gefüllt. Fast hätten die Riesenvögel das Kreischen angefangen und somit den Greifenmeister angelockt. Zusammen mit seiner Beute hatte er sich jedoch nun in sein Zimmer in Tellins Armenhaus zurück gezogen, sonst war keiner da. Im gesamten Haus nicht. Allgemein hatte er den gesamten Tag absolut niemand Bekanntes in Sturmwind gesehen, was er als leicht denkwürdig empfand. Gerade wenn man darüber nachdachte das irgendwo ein Blauauge rumlief das noch verrückter war als die Anderen. Nachdenklich schlug er erneut auf den Strohsack ein, das wirkte irgendwie beruhigend nach einiger Zeit. Er bewegte sich leicht nach rechts, wobei er einen Fuß nach vorne und einen schräg neben sich gestellt hatte. So, wie es ihm Rotho eben beigebracht hatte. Ein sicherer und fester Stand, auch wenn sich der Strohsack sicherlich nicht wehren würde. Er hatte sein Übungsgerät an den Schrank gebunden, weshalb er ein wenig aufpassen musste. Denn zu feste durfte er nicht zuschlagen, sonst würde er sich die Fingerknöchel am Holz des Schrankes anschlagen. Erneut gab Eik dem Strohsack ein paar Fausthiebe. Kräftig oder mit besonders viel Wucht waren seine Schläge nicht, dazu fehlte ihm die nötige Kraft. Und richtig schnell war er auch noch nicht, aber das würde sicherlich noch werden. Er wollte nun auch kein Krieger werden, sondern sich nur verteidigen können. Eik schnaufte kurz und trat von seinem Übungsgerät zurück um sich auf einen der Beiden Hocker zu setzen. "Puh... is' das anstrengnd'" Murmelte er leise, während ihm der Schweiß inzwischen auf der Stirn stand.
Er blickte kurz zu der alten Holztür des Zimmers und lauschte hinein in die Stille des Hauses. Wo die wohl alle waren? Tellin war weder hier gewesen, noch bei seinem Versteck... Eik konnte sich insgeheim nur einen weiteren Ort vorstellen an dem er sich herumtrieb. Mit Tellin musste er unbedingt noch reden, vor allem nach dem letzten Gespräch mit ihm in dessem Versteck. Auch den einen Kerl mit dem er nun schon das zweite Mal Ärger gehabt hatte, hatte er heute auf seinem Streifzug quer durch die Straßen Sturmwinds ebenfalls nicht gesehen. Eik wischte sich einige Schweißperlen mit seinem Hemdsärmel von seiner Stirn. Auch Reia war ihm ebenfalls nicht begegnet, er hatte sie gesucht jedoch nicht gefunden. Manchmal fragte er sich was sie so trieb, wenn sie unauffindbar war. Leise hoffte er dann, dass sie wenigstens vorsichtig war und vor dem Blauauge aufpasste. Oder war sie vielleicht zu Tellin gegangen? Immerhin hätten sie heute etwas mit ihm besprechen wollen. Nein, ohne ihn würde sie sicherlich nicht zu Tellins Haus laufen. Knapp zog er die Nase hoch, vielleicht sollte er noch einmal einen Rundgang durch die Stadt wagen? Nein, das Blauauge hatte sie sicherlich nicht geschnappt. Immerhin war es hinter Tellin her! Gähnend stand er auf und packte den Strohsack, um ihn abzuhängen und in die Truhe neben der Tür zu stopfen. Krachend lies er den schweren Deckel zu fallen, ehe er auf das Bett plumpste. Er wollte noch mit Willowby über den Apfelkerl reden, fiel ihm irrsinnigerweise plötzlich ein. Aber das würde er nun wohl morgen machen müssen. Grummelt drehte er sich ein paarmal in dem Bett hin und her, bis er breit und platzverbrauchend auf dem Rücken lag. Waschen würde er sich morgen früh, dazu war er nun zu erledigt. Er seufzte kurz leise und versuchte zwanghaft einen klaren Kopf zu bekommen um einzuschlafen... Es war wirklich fast wie ein Fluch wenn man anfing sich um andere Sorgen zu machen.
Nun hatte es sie erwischt, schon lange ahnte er es... aber nun war es soweit. Willowby lag im Lazarett in diesem riesen Haus wo sich die Ritter herumtrieben. Krank hatte sie ausgesehen, als er sie dort an dem Steg entdeckt hatte. Mit einer Traurigkeit im Gesicht welche er selbst nur zu gut kannte und dadurch an jedem sofort wieder erkennen würde. Er wusste auch was da am besten half. Ein Lied, gespielt auf der Flöte, welches wie ein Sonnenstrahl jegliches Trübsahl wegblies. Aber daraus sollte nichts werden, Reinhold kam ihm dazwischen und trug die sich wehrende Willowby zur Kathedrale. Und zu den dortigen Heilern und Ärzten. Auch dort, kam er erneut nicht dazu zu spielen. Immerhin war nun Rotho bei Willowby, so würde Eik halt morgen spielen. Sofern es ihr da noch schlecht ging.
Überraschenderweise hatte er auch Kezz im Lazarett gesehen. Sie war festgeschnürrt wie ein Tier und wehrte sich auch wie eines. Eik wunderte sich leise, sie sah ziemlich verwundet aus und konnte sich noch so heftig wehren. Es bestätigte ihn nurnoch mehr darin das sie wohl nicht ganz richtig war im Kopf. Immerhin, somit würde sie ihn endlich einmal in Frieden lassen.
Das lustigste war nur, dass Sybille im Verlies saß. Er hätte ziemlich dringend mit ihr reden müssen. Eine Wache und Reinhold verhinderten dies jedoch. Wie konnte es aber nur dazu kommen? Sybille saß unschuldig im Verlies, sogar die Wache sagte das. Aber jemanden wie Kezz, welche alles und jeden Angriff, lies die Wache laufen ohne sie einzusperren. Eik schnaubte leise, die Wachen waren wohl allesamt nur Idioten und Trottel. Sonst würden sie soetwas ja kaum zulassen.
Hastig wirbelte er durch das kleine Zimmer. Er hatte sich einen Seesack geschnappt und stopfte nun allerhand Decken und andere Dinge hinein, im Grunde alles was er finden konnte! Er musste weg von hier, raus aus dieser Stadt mit diesen ganzen verrückten.
Vor zwei Tagen hatte ihn Daelric angegriffen, mitten in der Stadt! Er war Eik hinterher geschlichen, hatte einen Wurfdolch gezückt und diesen nach dem Jungen geworfen. Eik musste wahnsinniges Glück gehabt haben, das ihn der Wurfdolch nur mit dem Griff und nicht mit der Klinge am Hinterkopf traff... Aber es hatte immerhin ausgereicht ihm eine ordentliche Platzwunde zu verpassen welche genäht werden musste. Und was war dann geschehen? Er konnte es immernoch nicht fassen. Die Wachen wollten Daelric zuerst nicht einsperren, es war ihnen schlichtweg egal gewesen das er Eik fast umgebracht hatte. Sie sperrten den Mann erst ein, als er unhöflich gegenüber den Wachen wurde. Aber nicht weil er Eik töten wollte und das sogar offenherzig vor den Wachen zugab! Für Eik war das eine mehr als verdrehte Welt, er dachte die Wachen währen Gerecht, würden jedem Helfen. Aber da hatte er sich wohl getäuscht, es war ihnen schlichtweg egal. Sie waren in seinen Augen nicht besser als diese Blauaugen. Oder als Kezz, welche jeden bedrohte sowie verprügelte und jedesmal ungeschohren davon kam, nur weil dieser Ritter Namens Lonar sie jedesmal rausredete. Diese Stadt war verrückt! Wütend stopfte er ein Handtuch in den Seesack. Heute hatte er Daelric dann wieder gesehen, kurz zuvor hatte ihm erst diese Wache die sie Belon nannten, versichert das Daelric nun eine Zeit im Verlies sitzen und eine riesen Strafe absitzen musste. Heute war er wieder frei! Eik kreisten Die Worte der anderen Wache namens Crade durch den Kopf:
"Nun, der Kerl war etwas zornig als er euch bedrohte. Nehmt ihn nicht zu ernst und geht nach Hause."
Er solle ihn nicht zu ernst nehmen? Nach Hause gehen? Daelric hatte ihn umbringen wollen! Er hatte das sogar offen zugegeben! Musste er selbst erst sterben, damit die Wachen eine derartige Tat ernst genug nahmen? Für Eik war eines klar, die Wachen waren eine herbe enttäuschung und lange nicht das was sie immer sagten. Nämlich freundliche Leute die sich um Räuber und Straftäter kümmerten. Was auch immer nun geschehen würde, ihm war es nun egal. Er würde weg von hier. Abhauen und Reia würde er mitnehmen. Er wusste nun auch schon wohin er gehen wollte. Ins Rotkammgebirge, dort wo Tellin lebte und wo der Wagen damals den ersten Auftritt hatte. Schade, das er Willowby die Tage nichtmehr gesehen hatte, um ihr davon zu Erzählen. Ja, Willowby und Rotho! Die Beiden hätten ihm sicherlich geholfen, da war er sicher. Aber als erstes, musst er sich selbst helfen.
Erledigt schnaufend hockte er sich auf den gepackten Seesack und starrte angespannt zur Zimmertür. Nun würde er nurnoch auf Reia warten, um sie mitzunehmen. Immerhin, war es für sie auch nicht mehr sicher hier, wenn Daelric ihn bedrohte. Nervös zupfte er am Griff seines Dolches herum. "Verdammte Wachn'"
Es waren ein paar schöne und ruhige Tage gewesen, dort in Seenhain. Und anscheinend hatte sich in dieser Zeit so einiges geklärt. Nachdenklich wog Eik den kühlen Wasserbalon in der Hand und grinst dabei spitz. Die Dinger zerplatzten und spritzten die unmittelbare Umgebung mit Wasser voll, wenn man sie gegen etwas hartes warf. Er hatte noch drei weitere aufgetrieben... Leise kichernd warf er den Wasserbalon ín die Luft und fing das glibbernde Ding wieder auf, während er auf dem Bett in seinem und Reias Zimmer des Armenhauses saß. Es hatte sich so einiges getan in den wenigen Tagen. Sida, eine alte Freundin von ihm, hatte Willowby angegriffen um ins Verlies zu Daelric zu kommen. Welcher ebenfalls Willowby angegriffen hatte und nun im Verließ saß. Morgen schien er wohl die Strafe für seine Taten zu bekommen. "Endlich machn' die Wachn' ma' was." Murmelte Eik leise. Die verrückte Kezz rannte derweil noch frei rum und schien noch durchgedrehter zu sein als davor, Eik ignorierte sie inzwischen. Zum einen weil ihm ihre dramatische Art nervte und zum anderen weil sie sowiso nur Luft laberte. Rotho dagegen hatte Sida wohl versprochen auf Kezz aufzupassen, Eik seufzte leise. Er fragte sich wann Rotho verstehen würde das man sich am besten von Kezz fernhielt, oder sie einfach ignorierte, wenn man nicht irgendwelchen Ärger oder verworrene und verwirrte Geschichten erleben wollte, die einem zum Schluß eh nur Kopfschmerzen bereiteten. Erneut flog der wabbernde Wasserball nach oben und wurde geschickt von ihm aufgefangen. Eik schmunzelte breit und lies sich nach hinten auf die Strohmatratze des Bettes fallen. Denn Wasserball legte er sich auf die Brust, er war ziemlich kühl. "'s Spinn' ech' fas alle hier. Daelric, un' Kezz un' Sida wohl nun auch." Aber was sollten sie ihm schon tun? Er hatte ja Willowby, Rotho, Tellin, Reia, Zary sowie den gesamten Roten Wagen hinter sich. Und die Wachen halfen wohl doch, wenn es drauf ankam. Zudem, konnte er sich inzwischen selbst ziemlich gut verteidigen, er war schon lange nicht mehr allzu wehrlos. Irgendwie freute er sich schon darauf in die Stadt der Elfen zu kommen und dort zusammen mit dem Wagen und mit Reia aufzutreten. "Oh verdammt! Wir ham' noch kein Lied!" Er schluckte leise, Reia und er brauchten ja noch ein Lied für die Elfen dort. Bisher war soviel los gewesen, dass sie keine Zeit zum üben hatten. Nun, er hatte inzwischen schon eine Melodie im Kopf, sowas ging immer ziemlich schnell bei ihm. Aber ein passender Text fehlte. Reia und Er hatten sich auf ein Gedicht geeinigt. Eik wollte irgendwas mit Blumen oder Bäumen... das gefiehl den Langohren sicherlich. Vielleicht sollte er schon anfangen sich etwas auszudenken? Dann hatte Reia nicht so viel zum denken. "Mh.... Baum... Baum... Raum?... Ney...'s blöd." Murmelte er leise zu sich selbst, vielleicht etwas anderes. "Blätter un' Baum. stehn' im.... Raum.. ach verdammt". Seufzte er, zum Dichten war er wirklich nicht gebohren. Das war viel zu kompliziert Worte zu finden die sich Reimten, zudem war sein Kopf zu voll von dem ganzen gelaber der Verrückten. Dauernd wollten die irgendwen umbringen und sich dann entschuldigen und waren dann wieder sauer aufeinander und wieder eifersüchtig. Dann versöhnte sich jeder wieder und plötzlich machten sie erneut irgendwas verrücktes. Eik schloß die Augen und schüttelte ungläubig den Kopf, er stellte erleichtert fest das bei ihm und seinen Freunden. Also, Tellin, Zary, Willowby, Rotho, Fiddle und die ganzen Leute beim Wagen zum Glück keine solche Verrücktheit herschte. Naja und bei ihm und Reia, da war sowiso alles in Ordnung. Zum Glück. Gähnend zog er seine Beine mit hinauf aufs Bett und drehte sich der länge nach hin um sich bäuchlings hinzulegen. Das Kinn stützte er auf seine Ellbogen und den Wasserballon legte er vor sich. Schimmernde Spiegelungen, verursacht von dem Schein der Kerze welche auf dem Tischlein neben dem Bett stand, tanzten verspielt auf der Oberfläche der Kugel. Eik grinste verzückt. Ja, er war wirklich froh das zwischen ihm und Reia alles ruhig und gut lief. Es war zwar nicht immer spannend und oftmals redeten sie nur über dies und das. Aber das war um längen besser als diese andauernde Verrücktheit der Anderen, oder? Kein Wunder das dass alles solche Spinner waren, da wird man wohl einfach blöd wenn man immer solchen Verrücktheiten ausgesetzt ist. Er hatte das Gefühl das inzwischen auch Sybille langsam zu den Verrückten überging. Und dieser Reinhold, welcher ständig in Sybilles Nähe rumrannte als wenn er ihr Vater wäre, war für ihn sowiso total komisch. Sybille hatte ihm einmal gesagt das Reinhold ihr kämpfen beibrachte, was er allerdings sicherlich nicht so gut konnte. Denn Sybille war fast jedesmal verletzt wenn Eik sie sah, vielleicht sollte sie einfach einmal Rotho fragen? So wie Eik es getan hatte? Immerhin hatte er sich schon ein paarmal effektiv Verteidigen können, seitdem ihm Rotho einige Tricks gezeigt hatte. Und das gegen Gegner welche sicherlich fünf mal so groß waren wie er. Eik schmunzelte vergnügt, er war gespannt was Reia dazu sagte wenn er ihr das alles erzählte. Aber wahrscheinlich war sie derselben Meinung wie Eik oder wie auch Willowby. Nämlich das hier nur Verrückte rumrannte. Knapp zog er die Nase hoch, morgen durfte er nicht vergessen zu Willowby zu gehen. Denn er musste zu den Wachen um denen zu sagen was Daelric getan hatte... oder tun wollte. Vielleicht konnte er Reia mitnehmen? Ihm wäre dann jedenfalls viel wohler dabei. Denn auch wenn er es nicht offen zugeben würde, mulmig war ihm jetzt schon. Erneut gähnend dreht Eik sich auf den Rücken und legte sich dabei die Wasserkugel vorsichtig wieder auf die Brust. Vielleicht sollte er noch einmal hinaus gehen und diese Kugel ausprobieren?
'sssst' zerschnitt der blank geschmiedete Stahl die Luft, während einige Staubkörner durch die Luft wirbelten als wollten sie panisch vor der geschärften Klinge fliehen. 'ssst' Erneut wurde die Luft zerteil, während die Flamme der nahen Kerze kurz tänzelte. Der Stahl hob sich wieder, bereit zuzuschlagen 'ssst' sauste er hinab nur um sich mit einem dumpfen 'tschok' in das Holz des alten Rundtisches zu graben. "Ouh verdammn' " Murmelte Eik leise und stemmte seinen nackten Fuß an den Tischrand. Er zog an dem einfachen, mit dunkelbraunem Leder umwickelten Griff des kurzen Schwertes. "ngks... moah...komm schon'...raus da'" Mit einem Ruck riss er die Klinge aus dem Holz. Splitter des Tisches flogen herum und Eik landete unsanft auf dem Hintern, während das Schwert klappernd neben ihm zu Boden fiel. "woah... 's war'n Schlag." Murmelte er leise und grinsend, während er die Kerbe im Tischrand betrachtete. Wie sollte er das nun wieder Reia erklären? Eik rappelte sich vom Boden hoch, er trug die Gewänder des roten Wagens. Dicker Leinenstoff mit schwarzer Färbung. Diese Kleider boten mehr Schutz als seine dünnen, roten Gaukler Klamoten. Und gerade in einer Stadt voller Verrückter musste man aufpassen, sehr sogar. Das Schwert hatte er sich geliehen, aus einem Faß... von einer Schmiede. Dem Schmied ging diese Klinge sicherlich nicht ab, Eik hatte ihm im Austausch sogar ein paar Silberstücke hingelegt. Er hätte sich die Klinge auch direkt kaufen können, er wollte jedoch nicht das auch nur ein einziger wusste das er nun im Besitz eines Schwertes war... mit dem er sowiso nicht umgehen konnte. Rotho hatte ihm ja eigentlich das Kämpfen beibringen wollen, aber statt das er das tat und auf ihn aufpasste. So wie es Willowby gesagt hatte. Passte Rotho nun auf diese Irre Kezz auf. Und Tellin? Der traute sich anscheinend nicht ihm etwas beizubringen. Eik seufzte kurz, er musste anscheinend wieder alles selbst regeln. So wie es zurzeit wohl dauernd war. Leise hoffte er, dass das kein Dauerzustand wurde.
Aber immerhin, heute war eine Gerichtsversammlung gewesen. Daelric sollte ins Gefägniss und für seine Taten büßen. Eigentlich durfte er laut dem Richter auch nicht die Stadt verlassen, zu Eiks überraschung hatte er ihn aber kurz später im Rotkamm getroffen, als er Zary und Tellin besuchen wollte. Nun breiteten sich diese Verrückten auch schon im ruhigen Rotkammgebirge aus. Als er Zary gesagt hatte das er es nicht verstehen konnte warum die ständig rumheulen, andere Leute verprügelten daraufhin Ärger bekomen dann noch mehr herumheulen und noch mehr Leute verprügelten. Zary hatte auf Eiks Verwunderrung nur leise Gelacht. Immerhin handhabte sie es wie er und hielt sich von derlei Leuten fern. Aber dennoch, Eik musste aufpassen. Am besten war es wenn er wirklich richtig das Kämpfen lernen würde, auch wenn er nicht die Statur dazu hatte. So war es dennoch sicherer. Immerhin begegnete man Daelric sogar im Rotkammgebirge obwohl dieser im Gefägniss sitzen sollte.
Erneut seufzend hob Eik das Schwert auf, um es ganz unten in der Truhe zu verstauen welche in dem kleinen Zimmer stand. Ganz unten, verdeckt von Decken und Zeug. Wenn Reia dort nicht herumwühlen würde, so würde es keiner finden. Hart lies Eik den Deckel zu klappen. Eigentlich mochte er Gewallt nicht, ihm war es lieber wenn sich einfach alle vertragen würden. Frei und unkompliziert. Fernab von all dem Geheule, Getöte und Liebesgewimmer. Er schlenderte also quer durch den Raum, an dem Tisch welcher nun von einer Kerbe geziert wurde vorbei, hin zu dem Bett auf welches er sich gähnend fallen lies. "An was gutes denkn'" Murmelte er leise, denn an etwas anderes zu denken brachte ihm nur Kopfschmerzen. So dachte er schmunzelt an Zary und Tellin, welche sein knappes Geständniss das er von sich gegeben hatte als er im Rotkamm war, ziemlich fröhlich aufgenommen hatten. Erneut gähnend rollte er sich zur Seite und schlief ein.
Mit freudigem Hecheln tapste Bolle vorran und Eik mit einem nicht weniger fröhlichem Grinsen hinterher. Eik hatte sich vorgenommen die vormittägliche Langeweille mit einem ausgedehnten Spaziergang zu überbrücken. Nun, viel mehr hatte Major Borearis Bellentry die Idee gehabt. Der Mann war doch nicht so übel wie Eik immer dachte, sondern sogar ziemlich in Ordnung. Was er heute bei einem langen Gespräch mit dem Major auf der Brücke gegenüber des Verlies festgestellt hatte. Der Major war sogar so nett gewesen, dass er Eik erlaubt hatte mit dessen Hund spazieren zu gehen. Und da gingen sie nun, der riesengroße Hund welcher Eik bis zur Brust reichte vorran und Eik hinterher. Neugierig blieb Bolle an jeder Ecke und jedem Laternenpfahl stehen und schnüffelte neugierig daran, während seine Rute aufgeregt hin und her wackelte. So groß wie der Hund war, so sanftmütig war er wohl auch. Reia musste das Tier unbedingt sehen! Eik musste grinsen als eine ältere Wache vorbeizog und wohl den Hund erkannte. Unverzüglich salutierte die Wache und ging weiter. Der Junge prustete leise und schmunzelte in sich hinein.
Leise und mit fröhlicher Laune fing er an ein Lied vor sich her zu summen, genauer gesagt, die Melodie welche er sich für den nächsten Auftritt ausgedacht hatte. Er holte schnellen Schrittes zu Bolle auf und streichelte ihm über das weiche Rückenfell. Am liebsten hätte er selbst einen Hund wie Bolle, vielleicht sollte er den Rat des Majors folgen und sich mit einem der Straßenhunde anfreunden? Denn Bolle, konnte er wohl nur schlecht haben. Der gehörte ja schon dem Major.
Eik lag rücklings auf eine der steinernen Bänke vor dem Armenhaus. Sein Blick durchschnitt nachdenklich und müde die dunkle, kühle Nachluft. Sanft bewegten sich die wie Schatten wirkenden Blätter der beiden umstehenden Bäume im kühlen Abendwind. Seine Beine sowie sein linker Arm hingen baumelnd von der Bank herunter, während er mit seiner rechten Hand in welcher er seine Flöte hielt, einen leisen Rythmus auf seinen Rippen trommelte. "Mah... is' das öde...öde..öde...öde.." Murmelte er leise vor sich her. Seid Tagen kam es ihm vor als würde kein einziger mehr den er kannte in Sturmwind unterwegs sein. Einzig allein Kezz, Daelric, Sida und diesen Reinhold sah er hin und wieder. Aber von denen versuchte er sich tunlichst fern zu halten... Er gähnte breit und erledigt, ehe er seinen linken Arm anhob und sich die Augen rieb. Zary und Tellin hockten sicherlich wieder in trauter Zweisamkeit im Rotkamm Gebirge rum. Willowby war krank und der Auftritt war ebenfalls abgesagt worden. Eik fühlte sich, als müsste er jeden Moment an purer Langeweile sterben. Selbst den Major sah er nicht, um dessen Hund Gassi zu führen. Und Rotho, der war ebenso nicht zu sehen. Er würde ihm wohl nie auch nur irgendwas beibringen was das Kämpfen betraf. Aber wo in aller Welt steckte nur Reia? Er hatte inzwischen eingesehen das er sie wohl nicht immer in seiner Nähe halten konnte, so gern er dies wohl täte denn immerhin schien es bei Zary und Tellin auch zu gehen. Aber so langsam stieg doch die Sehnsucht in ihm auf und das, machte seine Langeweille ebenfalls nicht besser.
Er musste sich ablenken! Irgendwie! Es half alles nichts, irgendwas musste er tun. Irgendeine beschäftigung. Flöte spielen? Nein, das tat er schon den ganzen Tag lang. Verrückten Stadtbewohnern ausweichen? Ney... zählte ebenso zu seinem Tagwerk. Vielleicht sollte er durch die Stadt streifen und einfach mal sehen... nein. Auch das trieb er wenn er die anderen Dinge nicht tat, den ganzen Tag. Er hätte sich am liebsten diese Langeweile aus dem Bauch raus gebrüllt, aber dann würden nur wir lauter verrückte kommen. Am Ende sogar Kezz persönlich. Er seufzte leise, blieb ihm wirklich nichts anderes übrig als dazuliegen und nach oben zu stieren? Mit verzogener Mimik stellte er die bittere Antwort fest: Ja! "Ouh... is' das öde,öde,öde,öde..." Murmelte er wieder leise. Vielleicht sollte er einfach ins Haus zurück gehen und darauf hoffen das der morgige Tag lebendiger wurde. Mit einem erneuten Gähnen erhob er sich wieder von der bank und schlurfte inrichtung des Armenhauses.
Hier saß er nun, mitten auf der Wiese des Parkes von Sturmwind. Er hatte seine Beine unter sich geschlagen, um im Schneidersitz dazusitzen. Auf seinem Schoß befand sich eine mit Luft gefüllte, lederne Kugel welche er leicht unruhig und angespannt mit seinen Fingern hin und her drehte. Der Wind striff über den Park, während er seinen Blick nach vorne richtete. Direkt auf Sybille Taler, eine Person in seinem Alter welche Er inzwischen recht zu schätzen gelernt hatte. Sie war meistens dann da, wenn er jemanden zum reden und zuhören brauchte. Und er war mehr als froh darüber...
Mit bestimmten Blick sah sie ihn an, "du redest jetzt mit mir." "'s is' eigntlich..nix." Erwiederte Eik nur ausweichend, wobei man ihm die pure Lüge wohl von der Nasenspitze ablesen konnte. Es war so einiges. Aber er wollte nicht rumjammern, so wie es die ganzen Verrückten in der Stadt taten und als wehleidig wollte er ebenfalls nicht erscheinen. Er war fröhlich und heiter, unbesorgt und frei und diesen Eindruck wollte er eigentlich auch aufrecht erhalten... eigentlich. Aber dennoch gab es einen großen Klos der auf ihm Lastete und immer schwerer würde. Er musste es ihr erzählen... wem auch sonst... ehe dieser Klos ihn erdrücken würde. "Weis' du... Ich bins, Billie.. und bei mir musst du keine Hemmungen haben." Hakte sie ruhig nach, "Red einfach drauf los." Eik seufzte leise,"mh... gut" sein innerer Wiederstand war wohl gebrochen und er redete sich seine Gedanken von der Seele. Leicht nickend fing er an zu erzählen... "Njah...also...'s is'wegn' Reia... nich' das ich unglücklich wär' oder so." Er machte eine kurze Pause, "aber sie's halt nie da." Beendete er knapp seinen Satz. Sybille sah ihn einfach nur an und setzte sich kurz etwas aufrechter hin, ehe sie langsam nickte. In ihren Augen war leichtes Mitgefühl zu erkennen, jedenfalls kam es Eik so vor. "Wo is sie denn?" Fragte sie ihn zögernd. Eik zuckte daraufhin nur knapp mit den Schultern, "Weis' ich nich'." Billie blinzelte kurz verwundert. "Wie..du weis' das nich? Sie..is' einfach weg?" Nun war es wieder an Eik stumm zu nicken, ehe Sybille die nächste Frage stellte. "Moment... haste sie mal gefragt?" Eik seufzte kurz. Ja, hatte er das? Er hatte. Sie war in der Stadt... irgendwo. "Jah... hab' ich. Sie meint' sie's inner Stadt immer... aber die's halt groß mh..". Seine Worte klangen leicht ausweichend, dennoch fühlte er das die Antwort auf seine Frage nicht die richtige gewesen war. Und da er das nun Sybille erzählte, kam ihm das erst recht falsch vor. "Also... ich sag dir was." Fing Sybille wieder nach einigen Sekunden an, "Hätte ich nen Freund... Der mir sagt er sei in der Stadt... ich würd' ihn aber nie sehen, obwohl ich auch in der Stadt bin. also, sprich, er will mich garnicht sehen! Dann würde ich mir ernsthaft Gedanken machen." Sybille bedachte ihn wieder leicht nickend mit einem Blick, während Eik seinen Kopf senkte und die Musterrung des schweren Lederballes studierte. Sein Magen zog sich zusammen und ein leichtes gefühl der Überlkeit stieg in ihm auf. Er wusste jetzt schon worauf Billie hinaus wollte, aber wollte er es wirklich auch wahrhaben? "Du liebst sie halt..." sprach Sybille leise, als sie den leicht Sehnsuchtsvollen Ausdruck in Eiks Augen sah, "Aber, liebt sie dich auch?" Ja, tat sie das wirklich? Dachte Eik leise. Unwillkürlich musste er an das letzte Mal denken als er mit ihr zusammen gewesen war. Schon da war es ihm vorgekommen als würde... Er schluckte kurz und wollte den Gedanken nicht zuende bringen. Seufzend lies er sich schlaff nach hinten auf das weiche, grüne Gras fallen welches sich wie ein Teppich durch den Park zog. So blieb er liegen, auf dem Rücken. Seine Arme rechts und links von ihm gestreckt, während er seine Beine angewinkelt lies und unter den Fußsohlen das kühle Gras fühlte. Sein Blick wanderte hinauf in den Himmel an welchem watte ähnliche Wolken hingen. Der Lederne Ball rollte ihm hüpfend vom Schoß und kullerte in die Wiese. "Liebt sie dich noch?" Sybille bedachte ihn mit einem längeren Blick, während sie sich an ihrem Haarzopf herum zupfte. "Jah... tut'se... sagtse' jah immer." Gab Eik nur leise murmelnd zurück. Aber, sagte Reia dies wirklich immer? Er konnte sich nicht ganz daran erinnern. Bildete er es sich nur ein? Oder... nein. Sie sagte es oft. Eik musste daran denken das sie ihn oftmals nur noch wie irgendjemanden behandelte den sie kannte. Sie umarmte ihn nie von sich aus, immer musste er... Murrend hob er eine Hand vom Boden und rieb sich die Nasenwurzel. "Würd ich jemandn' liebn'.... würd' ich die ganze Zeit bei ihm sein wollen. So einfach ist das Eik. Und da braucht man garnicht weiter drüber nachzudenken, sie liebt dich nicht. Und immerhin, ward ihr sogar schon einmal getrennt!" Sybille hatte Recht! Dennoch trieb ihm der Satz einen Dolchstoß in sein Herz, er fühlte sich leicht schäbig dafür das er überhaupt einen Gedanken daran verschwendete das Reia ihn nicht lieben würde. Aber dennoch... eine leise Stimme in ihm sagte das Gegenteil. "Aber ich kann sie doch nich' einfach..." Erhob er wieder seine Stimme mit leicht treudoofem Unterton, "un' was is' mitm' Wagn? ich bin beim Wagn' un' sie auch... un' wir trettn' immer gemeinsam auf... man kann nich'...." "... Zusammn' ein Lied spielen wenn man nicht mehr zusammen ist? Ja, das funktioniert nicht wenn man sich nicht.... ich versteh schon." Beendete Sybille seinen Satz. Eik nickte nur stumm, während ihm die Sonne im Gesicht kitzelte. Es war eine schlechte Lage. Was wäre wenn Reia weiterhin beim Wagen blieb? Würde Willowby von ihm dann verlangen weiterhin mit Reia aufzutreten? Nein, soetwas würde sie sicherlich nicht tun. Eher würde er den Wagen verlassen... Er könnte natürlich auch alleine auftreten, dass würde gehen... aber dennoch... Reia. Allein schon der Gedanke daran lies erneut seinen Magen zusammenziehen.
Es folgten ein paar Sekunden des Schweigens, ehe Sybille wieder sprach. "Als wären deine Auftritte abhängig von ihr! Man darf nie... nie Eik." Sie sah ihn eindringlich an, während in ihrer Stimme deutliche nüchernheit mitschwang, "abhängig sein von wem!" Eik konnte daraufhin nur schlucken, er wusste das sehr gut. Man sollte wirklich nie abhängig sein von jemand anderem. Gerade er, welcher seine eigene Freiheit doch so sehr liebte. Aber da gab es noch die Sache mit der Flöte. "Najah... aber da gibts noch mehr.." Meinte er zögernd, während er sich wieder hochrappelte und sich im Schneidersitz hinhockte. Einen leichten Abstand zwischen sich und Sybille lassend. Er zog seine Flöte hervor und legte sie auf den Platz zwischen sich und Sybille. Noch nie, ausser Zary und eben Reia, hatte er jemandem von dem Geheimniss seiner Flöte erzählt. Sybille blickte zuerst ihn, dann seine Flöte, mit neugieriger Mimik an. "Nich' weitererzähln'." Murmelte Eik leise, woraufhin Billie nur ehrlich nickte. Eik erzählte ihr die Geschichte seiner Flöte, dass er sie einst von dem Barden seines Dorfes geschenkt bekommen hatte. Der Barde, welcher ihm auch das Flötenspielen beigebracht hatte. Er erzählte Sybille das er es nicht mochte wenn seine Freunde traurig waren und das er ihnen dann immer ein fröhliches Lied vorspielte. Sogar Willowby hatte er damit schon geholfen wieder fröhlich und gesundt zu werden. Aber für einen häßlichen Tribut. Jedesmal wenn er jemand mit seiner Musik aufheiterte, schien es als springen die Gefühle des Traurigen auf ihn selbst über. Sodass er sich am Boden zerstörrt fühlt, während sein Freund fröhlich davon springt. Genau wie Zary damals, meinte auch Sybille das diese Flöte sicherlich verzaubert war. Eik wusste es nicht, aber leise vermutete er es ebenfalls. Er konnte auch auf anderen Flöten spielen, aber nur auf dieser hier wurden seine Lieder eben so wie sie waren. Lebendig und voller Gefühl. Er erzählte Sybille auch das Reia ihn das letzte mal aufhgeheitert hatte, nachdem er Willowby ein Ständchen gespielt hat. Sie hatte ihn lediglich umarmen müssen, worum er sie jedoch erst bitten musste. Dieser Gedanke vereinfachte Eiks momentanes Gefühl nicht wirklich. Reia war passiv, er musste immer alles sagen und machen. Und auch Sybille bestätigte wohl nur das was Eik fühlte. "Weist du... wer dich liebt. Der wüsste das von der Flöte UND wäre nun bei dir." "Jah... aber sie's die Einzige dies' macht." Versuchte er zu erwiedern. "So leid es mir tut... sie ist es nicht." Sagte Billie in ruhigem Ton und sie hatte recht, "Sie hat dich schon einmal verlassen. Du brauchst das nicht. Ehrlich jetzt Eik, die ist nicht die Richtige für dich." "meinst'?" "Ja."
Eine erneute Pause entstand, in welcher Eik über das Gesagte nachdachte. War er am Ende wirklich nur noch wegen der Auftritte und des Geheimnisses um die Flöte bei Reia? Hatte Sybille recht? Er zog seine Beine an sich, um sein Kinn blinzelt auf die Knie zu legen. Billie tat es ihm frecht grinsend nach. "Weist du... sonst wär sie hier. Würde nach dir sehen. Ständig. Verstehste?" Eik seufzte leise. "Njah... sie sagt jah immer ich soll' nich' jammern unso'.....also..." "Mann... bist du blind?" Viel im Billie ins Wort, "allein das schon!". Verständnisslos schüttelte sie den Kopf, während sich Eik mit treudoofem Blick den Hinterkopf rieb.
Die Nacht zog herein über die Stadt. Der Mond zeigte sein silbernes Antlitz, während Eik und Sybille noch eine ganze Zeit lang redeten...
Daran könnte er sich glatt gewöhnen… nein! Daran hatte er sich schon gewöhnt! Das rauschen der Menge welches ihn sosehr an das rauschen des Meeres erinnerte, das klatschen von Händen, das jubeln von Stimmen. Die Anerkennung die Freude welche ihm jedes Mal entgegenbrandete wenn er jemandem vorgespielt hatte. Ja, ein wirklich schönes Gefühl! Mit einem breiten Grinsen schob er seine Flöte zurück unter seine Kordel und sprang anschließend vom steinernen Rand des Brunnens hinab. Schon eine Weile machte er dies nun, einfach auftreten, Leute fragen ob er ihnen etwas vorspielen durfte und dann… spielte er einfach. Der Rest kam von selbst. Anfangs waren es immer nur wenige aber zum Ende hin war er oftmals umringt von einer Traube aus Menschen. Und das spornte ihn zu wahren Höchstleistungen an! Anfangs hatte er es nie gemocht vor so vielen Leuten zu stehen, inzwischen jedoch war das Anders. Er liebte es! Noch besser war es natürlich wenn er etwas Geld oder Essen für seinen Auftritt bekam. Seitdem der letzte offizielle Auftritt des Wagens ausgefallen war, mangelte es ihm nämlich ausgerecht daran am Meisten. Aber das machte nichts! Er würde es auch so schaffen. Er konnte etwas, er konnte spielen! Und wenn das nicht reichte… musste er eben wieder ein paar Geldbörsen finden. Letzteres war natürlich immer ein gefährliches Spiel, denn wenn ihn jemand dabei erwischte würde er Ärger mit den Wachen bekommen und… mit Willowby. Und gerade das ging nicht! Immerhin trat er jedes Mal im Namen des Roten Wagens auf. Ja, er lies keine Sekunde ungenutzt nicht einmal zu sagen zu welcher Gauklertruppe er gehörte! Es schien fast so, als würde allein die Zugehörigkeit zum Wagen ihn mit Stolz erfüllen. Mit einem breiten Grinsen ging er durch die immer noch klatschende Menge vor dem Brunnen und in Richtung Hafen. Das Geld von heute würde erst einmal reichen, für Zwei sogar. Leise lies er sich das Angebot des Mannes durch den Kopf gehen, während er am Hafenbecken entlang schlenderte. Die Sonne war gerade am Untergehen und der Himmel zeigte sich in einem schönen, satten Abendrot. Der Mann hatte ihn und den Wagen eingeladen zu spielen, er hatte Eik einen Zettel mit Namen und Anschrift in die Hand gedrückt. Diesen würde er natürlich an Willowby weitergeben. Aber was wäre wenn der Wagen dort nicht auftreten wollte? Eik grübelte nachdenklich… würde er dann vielleicht alleine auftreten? Würde er den nötigen Mut dazu aufbringen können? Oder, war es allgemein keine schlechte Idee einfach einmal irgendwo aufzutreten? Am Ende gar alleine und nur er? So wie es die Barden taten?
"Verdammt!" Tief grub sich die Klinge in den Pfosten und lies einige Holzstücke wegsplittern. Schnaufend zog Eik die Waffe zurück und musterte die Kerbe, ehe er erneut die Zähne zusammenbiss und zuschlug. Genauso dumpf wie sich der Stahl in das Holz des Pfostens grub, genauso fühlte er sich. Dumpf, wütend... und unsagbar traurig. Er riss die Schneide regelrecht aus dem Holz herraus, während er leise schluchzte und ihm erneut die Tränen über die Wange rannen. Dann musterte er den verkerbten Pfosten. Genauso fühlte er sich, tief in seinem inneren. Voller schmerzender Kerben, tief und vernarbt. Wiso war alles nur so schief gegangen? Wären sie doch blos in Nordend geblieben, wäre doch dieser Marek nie aufgetaucht... Hätte Sybille ihn doch nicht betrogen. Er hörte noch jetzt ihre Worte in seinem Kopf, wie sehr sie ihn doch liebte und wie sehr er sie doch liebte. Und dann... einfach so... geht sie zu Marek.
Am Ende mit allen Kräften sank er vor dem Holzpfosten zusammen, schluchzend und mit bebenden Schultern. Er konnte es nicht verstehen weshalb ausgerechnet ihm das immer wieder passierte. Weshalb er immer wieder Vertrauen zu Leuten fasste die ihn am Ende nur verletzten. Hatte Tellin recht? War er wirklich einfach zu freundlich und gutmütig? Es war ein jämmerlicher Anblick, so zerbrochen hatte er sich schon lange... sehr lange... nicht mehr gefühlt. Weinend und Todunglücklich saß er vor dem Pfosten, seine finstere Stimmung stand im krassen Gegensatz zu seinen bunten und fröhlichen Gauklergewändern. Hatte sie ihm nicht so oft versprochen ihn nicht einfach allein zu lassen? Nur leere Worte... Er wusste nicht was er tun sollte. Sie vergessen? Oder sie finden und zurückholen..nur damit alles von vorne anfing? Noch nie hatte er einen Menschen derart Nahe gestanden wie ihr... und sie warf es einfach weg als wäre er nichts weiter als irgend ein Stück Dreck.
Zitternd schlug er wütend seine Fäuste auf den Grasboden. Es würde dauern... bis er es schaffte wieder Vertrauen zu anderen zu fassen. Ein leises Schluchzen drang erneut aus seiner Kehle, ehe er wieder nach dem Griff des Schwertes griff. Es tat gut, auf etwas einzuprügeln... die innere Leere konnte man so einfach mit Wut füllen. Erneut hob er seinen Arm, schlug zu und trieb die Klinge tief in das Holz. Was wollte er eigentlich mehr? Er hatte doch soviele Freunde... Tellin, Zary, der vor kurzem wieder aufgetauchte Hildur und Finnje, von welcher er sich lange fern gehalten hatte. Dann noch Willowby und Diarmai welche ihm das Kämpfen zusammen mit Willie beibringen wollte. Und wenn er ersteinmal stark genug war... würde er sich an Marek rächen... bittere Rache würde es sein. Eik schnaubte bebbend, er mochte sich selbst nicht wenn er wütend, traurig oder verzweifelt war. Aber es half nichts. Immerhin war es besser daran zu denken wie man sich rächte... als wenn er daran dachte das er Sybille immernoch liebte.
"Scheiße!" Schrie er wütend auf und stach die Klinge schnaufend in den Holzpflock, welcher darauf berstend splitterte. Keuchend besah er sich den in zwei Hälften geteilte Pflock. Genauso fühlte er sich, Zweigeteilt. Entzwei gerissen, von kalter Unbarmherzigkeit. Erneut sank er auf die Knie, während er die Klinge im Holz stecken lies und leise schluchzte. "Oh man Sybille... komm zurück..." Tränen voll von Bitterkeit und gewürzt mit der blanken Härte des Lebens tropften in das Gras vor ihm.
Wiso blieb sie ihm trotz ihrer Liebe nicht Treu? Hatte Tellin am Ende recht? Tat Sybille immer denen am meisten weh die sie am stärksten liebte? Schuf sie sich nicht immer wieder selbst Probleme? War es dann nicht besser von ihr Abstand zu gewinnen, ehe sie ihn ganz zerstörrte? Sein Verstand sagte ein deutliches JA. Sein Herz... jedoch etwas Anderes. Mit hängenden Schultern rappelte er sich auf um zurück in Tellins und Zarys Hütte zu schleichen. Immerhin hatte er etwas, dass ihm keiner nehmen konnte. Zwei Menschen, welche er als soetwas wie seine Familie bezeichnen konnte.
Es war wohl Zeit sich seinen Ängsten zu stellen. Er griff nach dem Leinensack der dort in der Ecke ruhte. Zwei Decken, allerlei Kram sowie eine Lederrüstung war neben dem Schwert, seinem Dolch, der Flöte und einigen Silbermünzen sein einziges Hab und Gut. Er griff nach der Rüstung, sie war alt. Aber immerhin passte sie ihm nun. Er schmunzelte kurz, Naphalon hatte sie ihm einst geschenkt, alle hatten ihn damals nur den Schleicher genannt. Eik hatte bis heute keine Ahnung wohin sein Freund verschwunden war, nie hatte er ihm sagen können wie sehr er ihn bewundert hatte. Er atmete tief durch und wischte sich die Tränen aus dem blassen Gesicht welches mit den schwarzen Augenringen so garnicht zu einem fröhlichen Gaukler und Flötenspieler passte. Er würde in die Stadt gehen, mit der Rüstung vom Schleicher und dem Schwert. Er würde zu dem alten Geisterhaus dort gehen in dessen Dachboden er lange Zeit gelebt hatte... bis sich irgendein Hexerkult dort eingenistet hatte. Dort ruhte noch etwas von ihm... ein alter Schatz... den ihn Finnje einst geschenkt hatte.
Mit der Rüstung unter den Arm geklemmt verlies er die Hütte inrichtung Stadt...
Teil 2
Er kannte diese Gasse noch genau. Hoch ragten die Häuser rings um ihm herum auf und versperrten die sowiso schon durch den Rauch aus dem Zwergenviertel, schlechte Sicht auf den Himmel. Eik musste schlucken, er blickte zu dem baufälligen alten Haus am Ende der Gasse, die Fenster waren vernagelt und auch die Tür hatte mit dickem Eichengebälk verramelt. Es gab aber dennoch einen Eingang hinein. Früher, hatte er im Dachboden dieses leeren Hauses gewohnt bis, ja bis er sich einmal durch die Dachluke in den Rest des Gebäudes getraut hatte und... einen Schrecken sah der ihn für immer aus diesem Heim vertrieb. Nun, das Gute war das er dadurch sein Versteck im Hafen gefunden hatte, welches fast keiner kannte [...]. Eik atmete tief durch, er lehnte das Kurzschwert gegen die nächstbeste Hausmauer und schlüpfte in die Lederrüstung des Schleichers. Eng fühlte sich dieses Ding an, unbeweglich und wie ein tragbares Gefägniss. Er hasste es eigentlich eingeengt zu sein, aber dennoch fühlte er sich in ihr auch geschützt. Er musste seine Ängste überwinden und stärker werden! Kein guter Gedanke wenn einem die Knie vor Angst gerade weich waren und man das Zittern der Glieder nur schwerlich unterdrücken konnte. "Also gut... Eik Sohn von Ilmar... du schaffst das... ganz sicher." Wie bebend seine Stimme klang, er musste schlucken. "Keine Angst... ich schaff das... ganz alleine." Er holte tief Luft und versuchte sich die Ruhe in den Kopf zu rufen welche er fühlte wenn er Flöte spielte. Dann ging er zu der Mauer welche an das alte Haus angrenzte. Er versuchte das finstere Gebälk des 'Geisterhauses' nicht anzusehen sondern konzentrierte sich einzig und allein auf die aus dem Mauerwerk herrausstehenden Steine. Ziemlich flink kletterte er so an der Hauswand hinauf. Nutzte Steine, Holzbalken und dergleichen als Kletterhilfe. Ja, klettern konnte er schon immer gut, er hatte auch keine Angst vor großen Höhen. Und Schnelligkeit war, neben dem spielen seiner Flöte, seine zweitgrößte Stärke. die körperliche Anstrengung tat gut, sehr gut. Er schwitzte und nun war es das Erste mal das einmal Schweißperlen und keine Tränen mehr seine Wangen benetzten. Schnaufend griff er nach den Dachschindeln und zog sich daran empor um sich keuchend auf den Rücken zu rollen. Kühl strich ihm der Wind über sein Gesicht, kühl und angenehm. Seine Arme und Beine brannten ihm jetzt schon, er war wirklich nicht besonders kräftig. Aber er musste weiter! Hastig rappelte er sich wieder hoch, während die Lederrüstung leise knarzte. Ziemlich sicher schritt er über die Dächer der Gebäude hinweg auf das Dach des einen Hauses in welchem sein Schatz lag. Das letzte mal war er mit Wolf hier gewesen, wie es ihm wohl ging? Und mit Sybille... ein kurzes Stechen in seiner Brust welches er hastig verdrängte. Er biss die Zähne zusammen, trauern konnte er nacher wieder, jetzt lenkten ihn ersteinmal die körperliche Anstrengung sowie die Aufregung von der traurigen Geschichte ab. Da, dort vorne. Die Dachluke! Hastig eilte er auf sie zu und sprang durch das klaffende Loch hinein. Federnd kam er auf den morschen Planken des Dachbodens auf... Staub wurde aufgewirbelt und das Holz unter seinen Füßen knirschte bedrohlich! Sein Blick wanderte zu der kleinen Holztruhe... dort war es drinnen, sein Schatz! Er wollte gerade dorthin gehen als plötzlich... seine Füße keinen Halt mehr finden. "Was...?" Krachend und knirschend gab das Holz unter seinen Sohlen nach, Gebälk und alte Dielen krachten, knarzten, splitterten und brachen. Es gab einen Ruck und Eik folgte den Gesetzen der Schwerkraft, das einzige Gesetz welches einem neben der Liebe immer und zuverlässig in die schwarze Tief zog. Eik fiel. "Waaaahhh!" Hallte sein Schrei durch die Luft, ehe er dumpf und ziemlich hart auf dem Boden des darunterliegenden Raumes aufschlug. Das tat weh! Er zog scharf die Luft ein während sich seine Lunge zusammenzog und er rau das Husten anfing. Verzweifelt rang er nach Luft, bekam nur Staub in die Lungen und hustete nur noch mehr. Er rollte sich zur Seite, rappelte sich auf alle Viere und hustete mit gekrümten Rücken weiter ehe er gierig nach Luft schnappte. Die Welte drehte sich... leichter Schwindel machte sich breit... er fühlte den stechenden Schmerz seiner Lunge und... kippte bewusstlos zur Seite. War es das nun gewesen?
Momente verstrichen, Sekunden, Minuten. Etwas feuchtes stupste ihn an der Wange an. Eik kniff die Augen zusammen ehe er sie blinzelnd öffnete. Dämmrig fiel das Licht durch das Loch im Dach in den Raum hinein. Das Dach? Wiso konnte er das Dach sehen? Er hob den Kopf ächzend und sah das wohl mit ihm die gesammte Decke hinab gekracht war und der Raum in einem Trümmerfeld aus Holzstücken begraben war. Eik rappelte sich hoch, sein Rücken knackte leise und kurz gaben fast seine Beine unter ihm nach. Er fegte sich Holzplanken vom Oberkörper. "Wuff.." Erklang es plötzlich hinter ihm, gefolgt von leisem knurren. Eik riss die Augen auf und drehte sich um, das Schlimmste befürchtend. Zuerst sah er nichts dann jedoch... eine kleine Kreatur zu seinen Füßen."Wer...wer bisn' du?" Fragte er verwundert und ging in die Hocke. Das Tier war nicht größer als eine Katze und hatte verblüffende Ähnlichkeiten mit einem Hund. Einem Hund mit schwarzem, zotteligen und verfilzten Haar. Eik strich dem Tier durch das Fell welches daraufhin freudig wedelte. "Na... bis wohl auch allein... umgebn' nur von Dunklheit...mh?" Sprach der Junge leise. "Weis' was?... ich nehm' dich mit!" Er grinste breit und kicherte leise als ihm der Hund über die Finger schleckte. Das erste Kichern seid Tagen. "Na komm." Er nahm den Hund in die Arme und hob ihn hoch um ihn ersteinmal zu drücken. Es schien, als würde das Beiden gut tun. Sowohl Eik, als auch dem Hund. "Hey... guck ma'..dahintn'" Eik blinzelte überrascht und eilte samt Hund durch den Raum zu der Truhe hin, welche wohl ebenfalls mit ihm einen Stock tiefer gewandert war. Eik ging in die Hocke, setzte den hechelnden Vierbeiner ab und öffnete die Truhe. Fast schon andächtig, holte er das silber glänzende Fernrohr aus seinem Gefägniss. "Man... endlich" Murmelte er leise, ehe er seinen verlohren geglaubten Schatz mithilfe eines Lederbandes aus seinen Haaren an seiner Kordel festband. "Nu' aber raus hier... mir tut alles weh." Er sah zu einem Fenster, halb eingerissen durch den Einsturz der Decke. Ein Spalt, breit genug für Eiks zierliche Statur, hatte sich dort aufgetan. Hier würde es rausgehen. Er würde zurück zu Tellin gehen und seinen neuen Freund mitnehmen.
Etwas weiches und kühles stupste Eik in den Bauch. Erst einmal, dann ein zweites mal, dann drehte er sich murmelnd auf den Rücken. Aber eine Chance hatte er deswegen ebenfalls nicht. Etwas haariges und leichtes tappte ihm auf die Brust und fing dann an sein Gesicht abzuschlecken. „Ungs…uhm…wuah, hör’ auf.“ Murmelte er leise noch halbtrunken vom Schlaf, ehe er blinzelnd die Augen aufschlug und in das haarige Pelzgesicht des Hundewelpen zu gucken, welchen er vor kurzem in Sturmwind gefunden hatte. Das Tierchen war inzwischen schon um einiges munterer geworden. Eik schmunzelte müde und rieb sich erst einmal den Schlaf aus seinen Augen. Dann schob er den Welpen vorsichtig von sich herunter und stand auf. Er gähnte noch Müde und schlaftrunken und schlieslich schlich er mitleicht zugekniffenen Augen Barfuß von seinem Schlafplatz am Kamin weg und hinüber zu einem Stuhl auf dessen Lehne sein Hemd hing. Er schlief stehts ohne Hemd. Während er also das Kleidungsstück anzog, lauschte er in die Stille des Hauses. Zary und Tellin schienen noch zu schlafen. Am besten war es wohl wenn er ein wenig frische Luft schnappen würde, etwas kühles kitzelte ihn an seiner Ferse. Verwundert guckte er zu Boden und zu dem kleinen Welpen welchen ihn fröhlich hechelnd und wedelnd anguckte. „Ach..du has’ hunger..mh.. ney, ich vergess’ dich nich’“ Murmelte Eik und ging zu dem Tisch rüber auf welchem noch ein wenig von dem von Tellin vorbereiteten Futter stand. Er schnappte die kleine Schale und ging in die Hocke, um sie auf den Boden zu stellen. Gierig fing der Welpe an zu *!@%**n, während sich Eik träge umsah. Hunger hatte er keinen, aber einen wahnsinnigen Durst. Er suchte sich einen Becher und trank einige Schluck Wasser, ehe er nach drausen guckte. Die Sonne war gerade aufgegangen und die Landschaft drausen leuchtete fast orange. Eik stellte den Becher ab und trat zur Haustür raus. Tief atmete er die kühle Morgenluft und stellte staunend fest weshalb der Rotkamm wohl Rotkamm hieß. Der Boden, die umliegenden Hügel einfach alles leuchtete in dem warmen gold-orange der Morgensonne. Lächelnd und von dem Anblick erwärmt setzte er sich vor das Haus, den Rücken an die Wand des kleinen Häuschens gelehnt. Hoffentlich war der kleine Hund mit dem Essen fertig ehe Zary aufwachte. Eik hatte es gestern nicht übers Herz gebracht den Kleinen draußen schlafen zu lassen und da er selber ebenfalls lieber drinnen im Haus schlief, um das Gefühl dessen zu genießen was man Familie nennt, hatte er den Welpen einfach wieder mit hinein und zu sich genommen. Ja, gestern war einiges los gewesen. In der Früh war er eine Runde um den See gelaufen um seine Ausdauer zu stärken. Ehe er eine Runde in dem kühlen Nass schwimmen war. ….Seitdem wusste er auch das Murlocs zum Glück nicht auf Bäume klettern konnten.
Mit einem tiefen Gähnen streckte er sich kräftig ehe er seinen Rücken wieder seufzend an die Hauswand lehnte. Heute hatte er irgendwie noch nicht die rechte Lust zu laufen oder schwimmen zu gehen. Er dachte an den wunderschönen Rotholzbogen, ein Geschenk von Finnje welche ihm ein wenig beibringen wollte wie man sich am besten verteidigte. Bogenschießen konnte er ja, aber dummerweise hatte er noch keine Pfeile. Noch nicht, jedenfalls. Grübelnd dachte er nach was er anstellen konnte, Tellin und Zary schliefen ja noch und wecken wollte er sie nicht. Sein Blick glitt zu seiner Flöte hin. Ein schönes Instrument aus dunklem Holz an dessen Spitze er zwei Federn befestigt hat. Er brauchte noch ein Lied für das Gauklerfest, Ideen hatte er einige aber wirklich gut fand er keine. Eigentlich wollte er ein Lied für Sybille machen aber… das fiel nun leider weg. Ein tiefer seufzer ging von ihm aus. Gestern war sie ihm über den Weg gelaufen es schien als würde sie ihre eigene Tat bitter bereuen. „Soll sie nur.“ Murmelte er leise und versuchte das aufkommende, stechende Gefühl in seinem Herzen mit purem Trotz niederzukämpfen. Es würde sicherlich lange dauern bis er diesen Schmerz den sie ihm zugefügt hatte wieder verschwinden würde. Sehr lange denn, wenn er es sich eingestand. Irgendwo in sich drinnen vermisste er sie dennoch. Dennoch dachte er an das was ihn alle geraten hatten: Sich von ihr fernzuhalten. „Oh man… warum nur.“ Murmelte er leise in sich hinein und machte die Augen zu. Ein leises quietschen neben ihm lies sein Ohr zucken, er sah zu der hölzernen Tür und dem Welpen welcher daraus hervor purzelte. Schon zog sich wieder ein grinsen über seine Lippen, während der kleine Hund auf ihn zutappte. Ein wenig wie ein Wolf sah er ja schon aus, fand Eik. Und da war sie! Die Idee! Wie ein Blitzschlag hatte sie ihn getroffen. Breit grinsend und leise kichernd wusste er nun über was sein Lied gehen würde....