ooc: In Anlehnung an William Shakespeares "Romeo & Juliet", für unsere Truppe geändert. Eine Freundin von Willowby hat das Stück in der Bibliothek entdeckt und etwas umgeschrieben. Falls euch noch passendere Änderungen einfallen (Familiennamen zum Beispiel), nur her damit.
Die Rollenverteilung:
Anfangstext: Balius
Erzähler: Willowby
Simson: ?
Gregorio: Naimy
Abraham: Aperius
Balthasar: Ulgorth
Prinz: Netesia
Valeo: Valeta
Mercutio: Tsaja
Vulia: Vela
Amme: Tilly (?)
Lorenzo: Aperius
Benvolio: Ulgorth
Tybalt: Ärger (Fiddle)
Marcus / Mara: Netesia
Capulet: Naimy
Montague: Ärger (Fiddle)
Die Schauspieler, die ein anderes Geschlecht spielen würden, können sich gern überlegen, ob sie wirklich in eine Männer-/ Frauenrolle schlüpfen wollen, oder ob wir einfach die Namen ändern. Ich lasse sie der Einfachheit halber erstmal im Text so, wie sie gerade sind und ändere sie dann bei Bedarf.
((Von Balius gesprochen, gern auf einer Kiste stehend, oder so))
Zwei Häuser in Dun Morogh, würdevoll, Wohin als Szene unser Spiel euch bannt, Erwecken neuen Streit aus altem Groll, Und Bürgerblut befleckt die Bürgerhand. Aus beider Feinde unheilvollem Schoß Entspringt ein Liebespaar, unsternbedroht, Und es begräbt – ein jämmerliches Los – Der Väter lang gehegten Streit ihr Tod. Wie diese Liebe nun dem Tod verfiel, Der Eltern Wüten, immerfort erneut, Erst in der Kinder Ende fand sein Ziel, Das lehrt ne Stund’ euch die Bühne heut; Wollt ihr geduldig euer Ohr dem leihn, Woll’n wir’s von Mängeln, wo’s noch not, befrein.
(Ab.)
Erster Akt – „Der Kampf“
Erzähler: Wir befinden uns auf einem Marktplatz. Dort unterhalten sich zwei Bedienstete der Familie Capulet.
(Simson und Gregorio, welche schon auf dem Platz stehen, beginnen zu reden.)
Simson: Ich schlage geschwind zu, wenn ich aufgebracht bin.
Gregorio: Aber du wirst nicht geschwind aufgebracht.
Simson: Ein Hund aus Montagues Hause bringt mich schon auf.
Gregorio: Einen aufbringen heißt: ihn von der Stelle schaffen. Um tapfer zu sein, muss man standhalten. Wenn du dich also aufbringen lässt, so läufst du davon.
Simson: Ein Hund aus dem Hause bringt mich zum Standhalten. Mit jedem Bedienten und jedem Mädchen Montagues will ich es aufnehmen.
Gregorio: Zieh nur gleich vom Leder, da kommen zwei aus dem Hause Montagues.
(Abraham und Balthasar treten auf.)
Simson: Lass uns das Recht auf unsrer Seite behalten, lass sie anfangen.
Gregorio: Ich will ihnen im Vorbeigehen ein Gesicht ziehen, sie mögen’s nehmen, wie sie wollen.
Simson: Ich will ihnen einen Esel bohren; wenn sie es einstecken, so haben sie den Schimpf. Abraham: Bohrt Ihr uns einen Esel, mein Herr?
Simson: Ich bohre einen Esel, mein Herr.
Abraham: Bohrt Ihr uns einen Esel, mein Herr?
Simson: Ist das Recht auf unserer Seite, wenn ich ja sage?
Gregorio: Nein.
Simson: Nein, mein Herr. Ich bohre Euch keinen Esel, mein Herr. Aber ich bohre einen Esel, mein Herr.
Gregorio: Sucht Ihr Händel, mein Herr? Ich stehe zu Diensten. Ich bediene einen ebenso guten Herren wie Ihr.
Abraham: Keinen besseren.
Simson: Zieht, wo ihr Kerls seid! Frisch, Gregorio! Denk mir an deinen Schwadronierhieb.
(Es kommt zum Kampf. Es kommen noch jeweils ein oder zwei Personen pro Partei hinzu, die sich in den Kampf einmischen. Es gewinnt keiner, der Prinz kommt hinzu.)
Prinz: Aufrührische Vasallen! Friedensfeinde! Die ihr den Stahl mit Nachbarblut entweiht! – Wollt ihr nicht hören? – Männer! Wilde Tiere! Die ihr die Flammen eurer schnöden Wut Im Purquell aus euren Adern löscht!
Erzähler: Die Familie Capulet plant einen Maskenball, zu dem alle eingeladen sind, welche nicht zu den Montagues gehören. Nun am Abend ist es soweit. Durch einen Zufall erfahren auch Romeo Montague und einige seiner Freunde von dem Fest und gelangen unbemerkt mit ihren Masken in das bunte Treiben.
(Der Erzähler geht zur Seite und Romeo, Mercutio und Benvolio treten auf sie stehen etwas vor den Statisten.)
Romeo zu Mercutio: Wer ist das Fräulein, welche dort den Ritter mit ihrer Hand beehrt?
Mercutio: Ich weiß nicht, Herr.
Romeo: Oh, sie nur lehrt den Kerzen, hell zu glühn! Wie in dem Ohr des Mohren ein Rubin, So hängt der Holden Schönheit an den Wangen Der Nacht; zu hoch, zu himmlisch dem Verlangen.
(Romeo nähert sich Julia und spricht zu ihr.)
Romeo: Entweihet meine Hand verwegen dich, O Heil’genbild, so will ich’s lieblich büßen. Zwei Pilger, neigen meinen Lippen sich, Den herben Druck im Kusse zu versüßen.
Julia: Nein, Pilger, lege nichts der Hand zuschulden Für ihren sittsam-andachtvollen Gruß. Der Heil’gen Rechte darf Berührung dulden, Und Hand in Hand ist frommer Waller Kuss.
Romeo: So reg dich, Holde, nicht, wie Heil’ge pflegen, Derweil mein Mund dir nimmt, was er erfleht. (Er küsst sie.) Nun hat dein Mund ihn aller Sünd’ entbunden.
Julia: So hat mein Mund zum Lohn sie für die Gunst?
Romeo: Zum Lohn die Sünd’? O Vorwurf, süß erfunden! Gebt sie zurück! (Er küsst sie wieder.)
Julia: Ihr küsst recht nach der Kunst.
(Die Amme kommt hinzu.)
Amme: Mama will euch ein Wörtchen sagen, Fräulein.
Romeo: Wer ist des Fräuleins Mutter?
Amme: Ei nun, Junker, Das ist die gnäd’ge Frau vom Hause hier, Gar eine wackre Frau, und klug und ehrsam. Die Tochter, die Ihr spracht, hab ich gesäugt. Ich sag Euch, wer sie habhaft werden kann, ist wohl gebettet.
(Julia wendet sich ab.)
Romeo: Sie eine Capulet? O teurer Preis! Mein Leben ist meinem Feind als Schuld dahingegeben.
(Romeo und seine Freunde verlassen das Fest.)
Julia: Komm zu mir Amme! Wer ist der Herr?
Amme: Sein Nam’ ist Romeo, ein Montague, Und Eures Feindes einz’ger Sohn.
Julia: So einz’ge Lieb’ aus großem Hass entbrannt! Ich sah zu früh, den ich zu spät erkannt. O Wunderwerk! Ich fühle mich getriben, Den ärgsten Feind aufs zärtlichste zu lieben.
Erzähler: Es ist spät am Abend, als Romeo sich in den Garten der Capulets schleicht und zu Julias Balkon aufsieht.
(Erzähler tritt zur Seite, Romeo stellt sich vor den Balkon.)
Romeo: Der Narben lacht, wer Wunden nie gefühlt. Doch still, was schimmert durch das Fenster dort? Es ist der Ost und Julia die Sonne! – Geh auf, du holde Sonn’! Sie ist es, meine Göttin! Meine Liebe! O wüsste sie, dass sie es ist! – Sie spricht, doch sagt sie nichts: was schadet das? Ihr Auge red’t, ich will ihm Antwort geben.
Julia: Weh mir!
Romeo: Horch! Sie spricht. O sprich noch einmal, holder Engel!
Julia: O Romeo! Warum denn Romeo? Verleugne deinen Vater, deinen Namen! Willst du das nicht, schwör dich zu meinem Liebsten, Und ich bin länger keine Capulet. Dein Nam’ ist nur mein Feind. Du bleibst du selbst, Und wärst du auch kein Montague. Was ist Denn Montague? Es ist nicht Hand, nicht Fuß, nicht Arm, noch Antlitz. Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften. (Romeo tritt etwas näher.)
Romeo: Ich nehme dich beim Wort. Nenn Liebster mich, so bin ich neu getauft Und will hinfort nicht Romeo mehr sein.
Julia: Drei Worte, Romeo; dann gute Nacht! Wenn deine Liebe, tugendsam gesinnt, Vermählung wünscht, so lass mich morgen wissen Durch jemand, den ich zu dir senden will, wo du und wann die Trauung willst vollziehen.
Romeo: Schlaf wohn’ auf deinem Aug’, Fried’ in der Brust! O wär ich Fried’ und Schlaf und ruht’ in solcher Lust. Ich will zur Zell’ des frommen Vaters gehen, Mein Glück ihm sagen und um Hilf’ ihn flehen.
Erzähler: Romeo eilt nun, wie versprochen, zu einem Priester, welcher gerade einige Heilpflanzen sortiert.
Romeo: Mein Vater, guten Morgen!
Lorenzo: Wes ist der frühe Gruß, der freundlich mir begegnet? Mein junger Sohn, es zeigt, dass wildes Blut dich plagt, dass du deinem Bett so früh schon Lebewohl gesagt.
Romeo: Ich war bei meinem Feind auf einem Freudenmahl, Und da verwundete mich jemand auf einmal. Desgleichen tat ich ihm, und für die beiden Wunden Wird heil’ge Arzenei bei deinem Amt gefunden. Ich hege keinen Groll, mein frommer, alter Freund: Denn sieh! Zustatten kommt die Bitt’ auch meinem Feind.
Lorenzo: Komm, junger Flattergeist! Komm nur, wir wollen gehen; Ich bin aus einem Grund geneigt dir beizustehn: Vielleicht dass dieser Bund zu großem Glück sich wendet Und eurer Häuser Groll durch ihn in Freundschaft endet.
Romeo: O lass uns fort von hier! Ich bin in großer Eil’.
Lorenzo: Wer hastig läuft, der fällt; drum eile nur mit Weil’.
(Beide ab.)
Erzähler: Romeo hat sich inzwischen mit Julias Amme getroffen und ihr ausgerichtet, dass die Trauung in Vater Lorenzos Zelle stattfinden soll. Es ist später am Tag, als Julia ihren Eltern sagt, dass sie zu Vater Lorenzo geht, um zu beichten. Dort angekommen, werden die beiden sofort von Bruder Lorenzo verheiratet.
Kurze Zeit später ereignet sich auf einem öffentlichen Platz in Dun Morogh eine Tragödie.
(Erzähler ab. Mercutio und Benvolio von Seiten der Montagues treten auf und unterhalten sich.)
Benvolio: Ich bitt dich, Freund, lass uns nach Hause gehen! Der Tag ist heiß, die Capulets sind draußen, Und treffen wir, so gibt es sicher Zank: Denn bei der Hitze tobt das tolle Blut. (Typbalt (von Seiten der Capulets) und andere kommen.)
Benvolio: Bei meinem Kopf! Da kommen die Capulets.
Mercutio: Bei meiner Sohle! Mich kümmert’s nicht.
Tybalt zu seinen Leuten: Schließt euch mir an, ich will mit ihnen reden. – Guten Tag, Ihr Herren! Ein Wort mit Euer einem!
Mercutio: Nur ein Wort mit einem von uns? Gebt noch was zu: Lasst es ein Wort und einen Schlag sein.
Benvolio: Wir reden hier auf öffentlichem Markt. Entweder sucht Euch einen stilleren Ort, Wo nicht, besprecht Euch kühl von Eurem Zwist. Sonst geht! Hier gafft ein jedes Aug’ auf uns.
Mercutio: Zum Gaffen hat das Volk die Augen: Lasst sie! Ich weich und wank um keines willen, ich!
(Romeo tritt auf.)
Tybalt: Hör, Romeo! Der Hass, den ich dir schwur, Gönnt diesen Gruß dir nur: du bist ein Schurke!
Romeo: Tybalt, die Ursach’, die ich habe, dich Zu lieben, mildert sehr die Wut, die sonst auf diesen Gruß sich ziemt. Ich bin kein Schurke, drum lebe wohl! Ich seh, du kennst mich nicht.
Tybalt: Nein, Knabe! Dies entschuldigt nicht den Hohn, den du mir angetan: Kehr um und zieh!
Mercutio: O zahme, schimpfliche, verhasste Demut! Die Kunst des Raufers trägt den Sieg davon. (Er zieht den Degen.) Tybalt du Ratzenfänger, willst du dran?
Romeo: Zieh, Benvolio! Schlag zwischen ihre Degen! Schämt Euch doch, Und haltet ein mit Wüten! Tybalt! Mercutio! Der Prinz verbot ausdrücklich solchen Aufruhr In Dun Moroghs Gassen. Halt, Tybalt! Freund Mercutio! (Tybalt und seine Leute entfernen sich. Mercutio ist verletzt.)
Mercutio: Ich bin verwundet. – Zum Teufel beider Sippschaft! Ich bin hin. Und ist er fort und hat nichts abgekriegt?
Benvolio: Bist du verwundet, wie?
Mercutio: O hilf mir in ein Haus hinein. Benvolio, Sonst sink ich hin. – Zum Teufel Eure Häuser! Sie haben Würmerspeis’ aus mir gemacht. Ich habe es tüchtig weg; verdammte Sippschaft. (Mercutio und Benvolio ab.)
Romeo: Um meinetwillen wurde dieser Ritter, Dem Prinzen nah verwandt, mein eigner Freund, Verwundet auf den Tod; mein Ruf befleckt Durch Tybalts Lästerungen, Tybalts, der Seit einer Stunde mir verschwägert war. O süße Julia! Deine Schönheit hat So weibisch mich gemacht; sie hat den Stahl Der Tapferkeit in meinr Brust erwicht. (Benvolio kommt zurück.)
Benvolio: O Romeo! Der wackre Freund ist tot. Sein edler Geist schwang in die Wolken sich, Der allzu früh der Erde Staub verschmäht. Romeo: Nichts kann den Unstern dieses Tages wenden; Er hebt das Weh an, andre müssen’s enden. (Tybalt kommt zurück.)
Benvolio: Da kommt der grimm’ge Tybalt wieder her.
Tybalt: Elendes Kind! Hier hieltest duÄs mit ihm und sollst mit ihm von hinnen! Romeo: Dies entscheide! (Sie fechten, Tybalt fällt.)
Benvolio: Flieh, Romeo! Die Bürger sind in Wehr, Und Tybalt tot. Steh so versteinert nicht! Flieh! Flieh! Der Prinz verdammt zu Tode dich, wenn sie dich greifen. Fort! Hinweg mit dir! (Romeo ab. Der Prinz kommt .. und einige Bürger, als Statisten.)
Erzähler: Nun lässt der Prinz sich vom Geschehen unterrichten und spricht sein Urteil.
Prinz: Weil Romeo das verbrochen, Sei über ihn sofort der Bann gesprochen. Mich selber trifft der Ausbruch Eurer Wut, Um Euren Zwiespalt fließt mein eignes Blut; Allein ich will dafür so streng Euch büßen, Dass mein Verlust Euch ewig soll verdrießen. Taub bin ich jeglicher Beschönigung; Kein Flehn, kein Weinen kauft Begnadigung; Drum spart sie: Romeo flieh schnell von hinnen! Greift man ihn, soll er nicht dem Tod entrinnen. Tragt diese Leiche weg. Vernehmt mein Wort! Wenn Gnade Mörder schont, verübt sie Mord! (Alle ab.)
Erzähler: Julia erfährt von ihrer treuen Amme was geschehen ist, doch hat sie Verständis für Romeos handeln, da Tybalt zuvor seinen Freund ermordete. Ihre Amme weiß, wo Romeo sich versteckt hält und eilt fort, um ihn zu holen. So kommt es, dass Romeo, welcher sich bei Vater Lorenzo versteckt hält und seine Flucht nach Westfall vorbereitet, sich des Nachts zu Julia schleicht und in ihr Zimmer gelangt.
(Romeo und Julia liegen nah beieinander.)
Julia: Willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch fern. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang; Sie singt des Nachts auf dem Granatbaum dort. Glaub, Lieber, mir: es war die Nachtigall.
Romeo: Die Lerche war’s, die Tagverkünderin, Nicht Philomehle; sieh den neid’schen Streif, Der dort im Ost der Frühe Wolken säumt. Die Nacht hat ihre Kerzen ausgebrannt, Der muntre Tag erklimmt die dunst’gen Höhn; Nur Eile rettet mich, Verzug ist Tod.
Julia: Trau mir, das Licht ist nicht des Tages Licht, Die Sonne hauchte dieses Luftbild aus, Dein Fackelträger diese Nacht zu sein, Dir auf dem Weg nach Westfall zu leuchten; Drum bleibe noch: zu gehen ist noch nicht not.
Romeo: Lass sie mich greifen, ja, lass sie mich töten! Ich gebe gern mich drein, wenn du es willst. Nein, jenes Grau ist nicht des Morgens Auge, Der bleiche Abglanz nur von Cynthias Stirn. Das ist auch nicht die Lerche, deren Schlag Hoch über uns des Himmels Wölbung trifft. Ich bleibe gern; zum Gehen bin ich verdrossen. – Willkommen Tod! Hat Julia dich beschlossen. – Nun, Herz? Noch tagt es nicht, noch plaudern wir.
Julia: Es tagt, es tagt! Auf! Eile! Fort von hier! Es ist die Lerche, die so heiser singt Und falsche Weisen, rauen Misston gurgelt. Die Stimm’ ist’s ja, die Arm aus Arm uns schreckt, Dich von mir jagt, da sie den Tag erweckt. Stets hell und heller wird’s: wir müssen scheiden.
Romeo: Hell? Dunkler stets und dunkler unsre Leiden. (Julia öffnet das Fenster.)
Julia: Tag, schein herein! Und Leben, flieh hinaus!
Romeo: Leb wohl! Kein Mittel lass ich aus den Händen, Um dir, du Liebe, meinen Gruß zu senden.
(Beide ab. Erzähler tritt auf die Bühne.)
Erzähler: Als wäre das Schicksal Juliens nun nicht schon tragisch genug, beschlossen ihre Eltern, dass es an der Zeit war, Julia zu verheiraten, mit dem edlen Fürsten Paris. Schon in zwei Tagen, am Donnerstag, sollte die Vermählung stattfinden. Julia, ganz und gar nicht einverstanden mit der Idee, geriet in einen Streit mit ihren Eltern. Doch schließlich besann sie sich und erhoffte sich Rat und Hilfe von Bruder Lorenzo, welchen sie nun in seiner Zelle aufsuchte. Und tatsächlich, er hatte einen Plan, doch höret selbst!
(Bruder Lorenzo und Julia sitzen beisammen.)
Lorenzo: Wohl denn! Geh heim, sei fröhlich, will’ge drein, Dich zu vermählen: morgen ist es Mittwoch; Sieh, wie du morgen Nacht allein magst ruhn; Lass nicht die Amme in deiner Kammer schlafen. Nimm dieses Fläschchen dann mit dir zu Bett Und trink den Kräutergeist, den es verwahrt. Dann rinnt alsbald ein kalter matter Schauer Durch deine Adern und bemeistert sich Der Lebensgeister; den gewohnten Gang Hemmt jeder Puls und hört zu schlagen auf. Kein Odem, keine Wärme zeugt von Leben; Der Lippen und der Wangen Rosen schwinden Zu bleicher Asche; deiner Augen Vorhang Fällt, wie wenn Tod des Lebens Tag verschließt. Ein jedes Gleid, gelenker Kraft beraubt, Soll streif und starr und kalt wie Tod erscheinen. Als solch ein Ebenbild des dürren Todes Sollst du verharren zweiundvierzig Stunden Und dann erwachen wie von süßem Schlaf. Wenn nun der Bräutigam am Morgen kommt Und dich vom Lager ruft, da liegst du tot; Dann (wie die Sitte unsres Landes ist) Trägt man auf einer Bahr’ in Feierkleidern Dich unbedeckt in die gewölbte Gruft, Wo alle Capulets von alters ruhn. Zur selben Zeit, wenn du erwachen wirst, Soll Romeo aus meinen Briefen wissen, Was wir erdacht, und sich hierher begeben. Wir wollen beid’ auf dein Erwachen harren; Und in derselben Nacht soll Romeo Dich fort von hier nach Westfall begleiten. Das rettet dich von dieser drohnden Schmach, Wenn schwacher Umstand und weib’sche Furcht Dir in der Ausführung den Mut nicht dämpft.
Julia: Gib mir, o gib mir! Rede nicht von Furcht!
Lorenzo: Nimm, halt fest an dem Entschluss. Ich send indes mit Briefen einen Bruder In Eil’ nach Westfall zu deinem Treuen. (Beide ab.)
Erzähler: Am nächsten Morgen also, als die Hochzeit stattfinden sollte, fand die Amme Julia wie tot in ihrem Bette liegen. Die ganze freudige Hochzeitsgesellschaft verwandelte sich schlagartig in eine Trauergemeinde und so kam es, dass Julia, wie von Lorenzo vorausgesagt, in ihren festlichsten Kleidern zur Gruft getragen wurde.
Wir befinden uns nun zu etwas späterer Stunde in Westfall, wo Romeo auf einen Boten Lorenzos trifft.
(Erzähler ab. Romeo und der Bote Balthasar treten auf.)
Romeo: Ha, Neues aus Dun Morogh? Sag, wie steht’s? Bringst du vom Pater keine Briefe mit? Was macht mein teures Weib? Wie lebt mein Vater? Ist meine Julia wohl? Das frag ich wieder; Denn nichts kann übel stehn, geht’s ihr nur wohl.
Balthasar: Nun, ihr geht’s wohl, und nichts kann übel stehn. Ihr Körper schläft in Capulets Begräbnis, Und ihr unsterblich Teil lebt bei den Engeln. Ich sah sie senken in der Väter Gruft Und ritt in Eil’ hierher, es Euch zu melden. O Herr, verzeiht die schlimme Botschaft mir, Weil Ihr dazu den Auftrag selbst mir gabt.
(Balthasar ab. Romeo geht ein paar Schritte zur Seite, der Erzähler tritt auf die Bühne.)
Erzähler: Romeo beschließt in voller Sorge und Trauer zu Julia zu reiten, um sie noch einmal zu sehen und dann neben ihr zu sterben. Er erinnert sich an einen armen Apotheker, den er mit etwas Gold sicher überreden könnte, ihm Gift zu mischen, was in Westfall verboten war. Was ihm mit etwas Redekunst und etwas mehr Gold schließlich auch gelang. Mit dem Fläschchen Gift macht sich Romeo nun wieder auf nach Dun Morogh.
Währenddessen nimmt das Schicksal in Lorenzos Zelle seinen Lauf, als Marcus, sein vermeintlicher Bote, welcher den Brief zustellen sollte, die Zelle betritt.
(Erzähler ab. Lorenzo und Marcus betreten die Bühne.)
Lorenzo: Willkommen mir von Westfall! Was sagt denn Romeo? Fasst er es schriftlich ab, so gib den Brief.
Marcus: Ich ging, um einen Bruder unsers Ordens, der den Kranken In dieser Gegend hier zuspricht, zum Geleit Mir aufzusuchen; und da ich ihn fand, Argwöhnten die dazu bestellten Späher, Wir wären beid’ in einem Haus, in welchem Die böse Seuche herrschte, siegelten Die Türen zu und ließen uns nicht gehen. Dies hielt mich ab, nach Westfall zu eilen.
Lorenzo: Wer trug denn meinen Brief zum Romeo?
Marcus: da hast du ihn, ich konnt’ ihn nicht bestellen: Ihn dir zu bringen, fand kein Bote sich, So bange waren sie vor Ansteckung.
Lorenzo: Unsel’ges Missgeschick! Ich muss allein zur Gruft nun. Innerhalb drei Stunden wird das schöne Kind erwachen; Verwünschen wird sie mich, weil Romeo Vom ganzen Vorgang nichts erfahren hat. Doch schreib ich gleich aufs neu’ nach Westfall Und berge sie so lang in meiner Zell’. Bis ihr Geliebter kommt. Die arme Seele! Lebendige Leich’ in dumpfer Grabeshöhle.
(Beide ab. Erzähler betritt die Bühne.)
Erzähler: Romeo gelangt nun vor Bruder Lorenzo zu der Gruft der Capulets, bricht das Gewölbe auf und kniet vor seiner Gattin nieder.
(Erzähler ab. Romeo kniet vor der auf dem Boden liegenden Julia.)
Romeo: Liebe Julia, Warum bist du so schön noch? Soll ich glauben – Ja, glauben will ich (komm, lieg mir ihm Arm!) Hier, hier will ich bleiben Mit Würmern, so dir Dienerinnen sind. Oh, hier bau ich die ewige Ruhstatt mir Und schüttle von dem lebensmüden Leibe Das Joch feindseliger Gestirne. – Augen, Blickt euer letztes! Arme, nehmt die letzte Umarmung! Und o Lippen, ihr, die Tore Des Odems, siegelt mit rechtmäß’gem Kusse Dem ewigen Vertrag dem Wuchrer Tod. Dies auf dein Wohl, wo du auch stranden magst! Dies meiner Lieben! – (Er trinkt.) O wackrer Apotheker! Dein Trank wirkt schnell. – Und so im Kusse sterbe ich. (Er stirbt.)
Erzähler: Julia erwacht nun just in dem Augenblicke, in dem Bruder Lorenzo die Gruft erreicht und voll Schrecken erkennt, dass Romeo gestorben ist.
(Bruder Lorenzo sitzt nun neben Julia.)
Julia: O Trostesbringer! Wo ist mein Gemahl? Ich weiß recht gut noch, wo ich sollte sein, Da bin ich auch. – Wo ist mein Romeo?
Lorenzo: Dein Gatte liegt an deinem Busen tot, Komm, ich versorge dich Bei einer Schwesterschaft von Nonnen. Verweil mit Fragen nicht, die Wache kommt. Geh, gutes Kind! Ich darf nicht länger bleiben. (Lorenzo ab.)
Julia: Geh nur, entweich! Was ist das hier? Ein Becher, festgeklemmt In meines Trauten Hand? – Gift, seh ich, war Sein Ende vor der Zeit. – O Böser! Alles zu trinken, keinen gütigen Tropfen mir Zu gönnen, der mich zu dir brächt’? – Ich will Dir deine Lippen küssen. Ach, vielleicht Hängt noch ein wenig Gift daran und lässt mich An einer Labung sterben. (Sie küsst ihn.) Deine Lippen Sind warm – O ich höre Lärm! Dann schnell nur – (Sie ergreift Romeos Dolch.) O willkommener Dolch! Dies werde deine Scheide. (Sie ersticht sich.) Roste da, Und lass mich sterben. (Sie stirbt.)
Erzähler: Der Lärm, welchen Julia gehört, kam von den Wachen, welchen nicht verborgen blieb, dass sich in der Gruft nun auch lebende Menschen befanden. Mit den Wachen kamen auch der Prinz, sowie die beiden Väter Herr Montague und Herr Capulet. Sie alle lassen sich von Bruder Lorenzo das Geschehene erklären. (Lorenzo, der Prinz und die beiden Väter stehen auf der Bühne. Lorenzo etwas abseits, in der Mitte der Väter steht der Prinz.)
Capulet: O Bruder Montague, gib mir die Hand: Das ist das Leibgedinge meiner Tochter, Denn mehr kann ich nicht fordern.
Montague: Aber ich Vermag dir mehr zu geben; denn ich will Aus klarem Gold ihr Bildnis fertigen lassen. Solang Dun Morogh seinen Namen trägt, Kommt nie ein Bild an Wert dem Bilde nah Der treuen, liebevollen Julia.
Capulet: So reich will ich es Romeo bereiten: Die armen Opfer unsrer Zwistigkeiten!
(Der Prinz tritt einen Schritt vor, die Väter einen Schritt zurück.)
Prinz: Nur düstern Frieden bringt uns dieser Morgen; Die Sonne scheint, verhüllt vor Weh, zu weilen. Kommt, offenbart mir ferner, was verborgen: Ich will dann strafen oder Gnad’ erteilen; Denn niemals gab es ein so herbes Los, Als Juliens und ihres Romeos.